2010druckenfilmemacher: stefan bohun


Der österreichische Regisseur Stefan Bohun hat gemeinsam mit dem Produzenten Hannes Kreuzer bereits mehrere Dokumentarfilme über das Leben in Südamerika realisiert. Zwei davon waren in dieser Personale zu sehen: In „Amo Beethoven“ entdecken gehörlose Kinder die Musik, während „Nohelia“ das beeindruckende Porträt einer kolumbianischen Schuldirektorin in einem von Armut und politischer Willkür bestimmten Alltag zeichnet. Den Auftakt aber machte ein Kurzspielfilm: „Omid – Hoffung“, entstanden im Rahmen eines von ZDF und 3sat ausgeschriebenen Wettbewerbs anlässlich des Schiller-Jahres 2005, zeigt den aktuellen Bezug Friedrich Schillers zur heutigen Menschenrechtssituation von Flüchtlingen. Das Programm war Teil der Filmreihe blickkontakt, die sich bei espressofilm – Kurzfilm einen Sommer lang 2010 in Kooperation mit der Ethnocineca und Oktoskop Filmen an der Schnittstelle von Dokumentarfilm und visueller Anthropologie widmete. | Programmdauer: 72 min

 
   
  omid – hoffung
Stefan Bohun, A 2005, 5:30 min, OmdU

„Die Mitglieder einer kleinen Schauspieltruppe, die gerade noch einen Text von Schiller aufgeführt hat, versuchen in einem Boot über das Meer zu fliehen. Vor der Küste begegnen sie gutgelaunten deutschen Touristen, die ihnen in völliger Verkennung der Lage Bier anbieten. Benzin für die letzten Seemeilen wäre besser. Die Küsten werden überwacht – doch ,(…) was die innere Stimme spricht/ das täuscht die hoffende Seele nicht.‘“ (Diagonale)

Schauspiel: Mehdi Moinzadeh, Ghorban Moinzadeh, Mira Miljkovic, Astrit Alihajdaraj | Drehbuch: Stefan Bohun | Kamera: Gregor Centner | Schnitt: Karen Tonne | Ton: Atanas Tcholakov | Produktion: Hannes Kreuzer | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  amo beethoven
Stefan Bohun, A 2007, 34 min, OmeU

„Ein Mädchen entdeckt ihre Liebe für die Musik, im Speziellen für Beethoven. Sie kann die Musik nicht mit ihren Ohren hören. Sie ist taub. Die Schüler/innen der Musikschule im venezolanischen Barquisimeto fühlen die Töne mit der Haut, ihrem ganzen Körper, in den Luftschwingungen. Sie lernen Instrumente zu spielen und zu singen. Sie singen in Gebärdensprache. Im Rahmen eines Sozialprojekts werden gehörlose Kinder aus großteils ärmlichen Verhältnissen in Musikkenntnis ausgebildet. Musik wird hier zu einer Welt, die jedem offen steht, und gleichzeitig den einzelnen individuell umgibt.“ (Diagonale)

Drehbuch: Stefan Bohun | Kamera: Gerald Kerkletz | Schnitt: Uschi Lösch | Ton und Sound Design: Atanas Tcholakov | Produktion: Stefan Bohun, Hannes Kreuzer | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  nohelia
Stefan Bohun, A 2005, 32 min, OmdU

Die Afrokolumbianerin Nohelia kämpft in dem abgeschiedenen kolumbianischen Dorf Juribidá als Dorfrätin und Schuldirektorin für die Würde, das Selbstbewusstsein und die Bildung der Kinder einer Minderheit, die von Staat und Militär nicht wahrgenommen wird. Schule ist für Nohelia ein Gegenmodell zur politischen Gesetzlosigkeit. In einem von Armut und politischer Willkür bestimmten Alltag unterrichtet sie ihre Schüler/innen in Afrokolumbianismus. Nohelia: „Um zu wissen, wohin wir gehen, müssen wir wissen, woher wir kommen. Und was wollt ihr einmal werden, wenn ihr groß seid?” Kinder: „Fußballspieler, Soldat oder Drogenbaron!”

Drehbuch: Stefan Bohun | Kamera: Judith Hasleder | Schnitt: Julia Drack | Ton und Produktion: Hannes Kreuzer | Hochschule: Filmakademie Wien