2010druckenfilmemacherin: jasmila žbanić


Die 1974 in Sarajevo geborene Filmemacherin Jasmila Žbanić, deren zweiter Spielfilm „Na Putu – Zwischen uns das Paradies“ 2010 auf der Berlinale Premiere feierte und hierzulande Crossing Europe eröffnete, erlebte den Krieg gegen Bosnien-Herzegovina von 1992 bis 1995 als Studentin an der Akademie für darstellende Kunst in Sarajevo. Unmittelbar nach dem Krieg beginnt Žbanić Dokumentarfilme zu drehen, in denen sie den Auswirkungen des Krieges in ihrer Heimat nachgeht. Die sehr persönlichen Filme, die dabei entstehen und von denen in dieser Personale eine Auswahl zu sehen war, zeigen, welche Traumata die Angriffe auf die Zivilbevölkerung bei den Menschen und vor allem bei den Kindern hinterlassen haben. Das Programm war Teil der Filmreihe blickkontakt, die sich bei espressofilm – Kurzfilm einen Sommer lang 2010 in Kooperation mit der Ethnocineca und Oktoskop Filmen an der Schnittstelle von Dokumentarfilm und visueller Anthropologie widmete. | Programmdauer: 71 min

 
   
  participation
Jasmila Žbanić, BA 2008, 3:30 min, OF

Drei ältere Damen beim Kaffee. Gemächlich verstreicht die Zeit, als plötzlich ein Handy läutet … Den Auftakt des Dokumentarfilm-Programms von Jasmila Žbanić macht diese Spielfilm-Miniatur: „Participation“, der jüngste Kurzfilm von Žbanić, entstand im Rahmen von „Stories on Human Rights“, einem Episodenfilmprojekt mit 22 Beiträgen internationaler Filmemacher/innen, das anlässlich des 60. Jahrestags der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte realisiert wurde.

Schauspiel: Enisa Bajraktarević, Nada Andes, Draga Gelo, Razija Šaric, Sabrina Begović | Drehbuch: Jasmila Žbanić | Kamera: Christine A. Maier | Schnitt: Niki Mossböck | Ton und Sound Design: Igor Čamo | Musik: Pierre Degeyter ("L'Internationale") | Produktion: Deblokada, ART for The World

     
  birthday
Jasmila Žbanić, BA 2005, 12 min, OmdU

Die beiden 10-jährigen Mädchen Dunja und Ines sind am selben Tag in Mostar geboren – die eine im muslimischen, die andere im kroatisch-katholischen Teil. Bis jetzt sind sie einander noch nie begegnet, denn die berühmte historische Brücke über den Fluss Neretva, der die Stadtteile voneinander trennt, wurde während des Krieges am Tag ihrer Geburt zerstört. Im Sommer 2004 steht die berühmte Brücke vor ihrer Wiedereröffnung. „Birthday“ entstand als Teil von „Lost and Found – Six Glances at a Generation“, einem von der Berlinale initiierten Filmprojekt, für das sechs junge Filmemacher/innen jeweils einen Kurzfilm über das Leben der Menschen im postsozialistischen Osteuropa entwickelten.

Mitwirkende: Ines Cule, Dunja Obradovic | Drehbuch: Jasmila Žbanić | Kamera: Christine A. Maier | Schnitt: Niki Mossböck | Ton: Predrag Doder | Musik: Muta Dedic, Marko Govorcin | Produktion: Deblokada, Coin Film

     
  slike sa ugla – images from the corner
Jasmila Žbanić, BA 2003, 37:30 min, OmeU

Bilja wurde 1992 als 20-Jährige vor ihrem Wohnhaus in Sarajevo beschossen und verwundet. Ein französischer Kriegsfotograf machte Aufnahmen von ihr, während sie blutend auf der Straße lag und dringend Hilfe benötigte. Er half ihr nicht, sondern fotografierte sie, und während Bilja ihren Arm verlor, wurde ihm von der World Press Photo Foundation ein Preis verliehen. Was aber geschah mit Bilja? Zehn Jahre später begibt sich Jasmila Žbanić in ihrer früheren Nachbarschaft auf eine sehr persönlich gefärbte, bewegende Suche nach der jungen Frau und rekonstruiert jenen Moment, in dem Berichterstattung wichtiger wurde als ein Menschenleben.

Mitwirkende: Sala Pašić, Alma Pašić, Almir Kurt-Kugla, Nedžad Nakaš-Neno, Sabina Arslanagić, Amer Čohadžić, Ahmed Sačić, Emir Sačić, Ahmed Burić, Lejla Hodžić, Zoe Ibrahimović, Kemal Žbanić | Drehbuch: Jasmila Žbanić | Kamera: Christine A. Maier, Mustafa Mustafić | Schnitt: Miralem Zubčević, Friederike Anders | Ton: Muhamed Pekmez, Igor Čamo | Produktion: Deblokada, ZDF

     
  crvene gumene čizme – red rubber boots
Jasmila Žbanić, BA 2000, 18 min, OmeU

Jasna sucht nach den sterblichen Überresten ihrer beiden Kinder, Amar (4 Jahre) und Ajla (9 Monate), die während des Bosnienkrieges von der serbischen Armee entführt, getötet und vermutlich in einem Massengrab beerdigt wurden. Mit Hilfe der staatlichen Kommission zur Suche nach Menschen, die zwischen 1992 und 1995 getötet oder verschleppt worden sind, überprüft Jasna die zugänglichen Informationen, begleitet die Suchkommission und besucht alle Massengräber in der Hoffnung, die roten Gummistiefel wiederzuerkennen, die ihr Sohn trug, als er aus ihrem Leben verschwand, um endlich Gewissheit über das Schicksal ihrer Kinder zu haben.

Mitwirkende: Jasna Ploskić, Amor Mašović | Drehbuch: Jasmila Žbanić | Kamera: Mustafa Mustafić | Schnitt: Miralem Zubčević | Ton: Bogdan Zurovac, Igor Čamo | Produktion: Deblokada