2010druckenfilmemacher: bo chen


Unaufdringlich und spröde ist das Werk des chinesisch-österreichischen Filmemachers Bo Chen. Trotzdem, oder gerade deswegen, durfte man sich diese Personale keinesfalls entgehen lassen. Mit formaler Strenge und größtmöglicher Zurückhaltung gewährt die Kamera Einblicke in schwer zugängliche Welten, lässt das Publikum einer japanischen Teezeremonie beiwohnen und hinter die Mauern einer berühmten chinesischen Kung-Fu-Schule für Knaben blicken. In der mit Petra Morzé und Georg Friedrich prominent besetzten zweiaktigen Studie „Paare“ bannt Chen mit gewaltvoller Intensität den Moment der Trennung auf die Leinwand. | Programmdauer: 79 min

     
  a lian in einem hotelzimmer
Bo Chen, A 2009, 6 min, OmeU

„Zu Beginn ein Mann und eine Frau. Er will, dass sie ihm ins Gesicht schlägt. Sie ist Prostituierte, ist es gewohnt auszuführen, wofür bezahlt wird. Sie tut es. Im Hotelzimmer gilt das Gesetz der Uhr – wer bezahlt, kauft Zeit, kauft Gesellschaft. Der Wecker tickt. Arbeitsalltag. Keine Überraschungen. Außerhalb des Zimmers wartet die ungewisse Realität, das ,zeitlose‘ Leben.“ (Diagonale)

Schauspiel: Hu Gengliang, Yi Jian, Xu Jinwei, Yi Xiu, Xu Simon | Drehbuch, Kamera, Schnitt und Produktion: Bo Chen

     
  paare
Bo Chen, A 2008, 23:30 min, OmeU

„Zwei Geschichten, zwei Stile der Inszenierung. Zunächst ein Würstelstand unter einer Bahnbrücke. Das Ende einer Beziehung. Beinahe schwebend gleitet die Kamera in einer Plansequenz an das Paar heran. Danach ein harter Schnitt. Schnelle Schnittfolgen durchbrochen von statischen Bildern: Ein junger Mann bereut, dass er mit seiner Freundin Schluss gemacht hat und kauft sich einen Hund, um seine Schmerzen zu stillen.“ (Diagonale)

Schauspiel: Petra Morzé, Georg Friedrich, Christian Zagler, Katrin Rohrbacher, Maria Hofstätter, Ulrike Hein, Karl Halasz | Drehbuch: Bo Chen | Kamera: Benjamin Klein, Bo Chen | Schnitt: Natalie Schwager | Ton und Sound Design: Gailute Miksyte, Hjalti Bager-Jonathansson | Produktion: Esther Hassfurther | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  mit dem kopf dachziegel brechen
Bo Chen, A 2007, 24 min, OmeU

Nur knappe fünf Stunden dauert der Besuch des Filmteams in der Kung-Fu-Schule von Emei in der chinesischen Provinz Sichuan, wohin man gekommen ist, um die Kampfkunst nach der Emei-Tradition zu dokumentieren. Denn was vorher niemand wusste: Es ist bereits der letzte Trainingstag des Sommercamps und die Teilnehmer/innen machen sich zur Abreise bereit. Aus der Not heraus entsteht eine Art „Instant-Dokumentarfilm“, der ungeschönte Einblicke in das Leben hinter den Schulmauern gewährt und von den Träumen und Hoffnungen der Kung-Fu-Schüler erzählt, während Schlagzeilen wie „Typhoon and drought – Disasters put China to the test“ das Tagesgeschehen außerhalb bestimmen. Später werden die Aufnahmen in Chens abendfüllenden Dokumentarfilm „Emei, vom galoppierenden Pferd aus betrachtet“ einfließen, dessen Titel sich auf die chinesische Redewendung bezieht, sich nur im Vorbeigehen mit den Dingen auseinanderzusetzen.

Drehbuch und Produktion: Bo Chen, Christian Leitner | Kamera und Schnitt: Bo Chen | Sound Design: Hjalti Bager-Jonathansson

     
  chado – der teeweg
Bo Chen, A 2006, 25 min, OmeU

„Harmonie, Hochachtung, Reinheit und Stille sind die vier Grundelemente des japanischen Teerituals. Bo Chen dokumentiert die Gesten einer Teemeisterin beim immer gleichen Ablauf: Die Kamera lässt sich auf die strenge Formalisierung ein.“ (Diagonale)

Drehbuch, Kamera und Schnitt: Bo Chen | Produktion: Bo Chen, David Bohun | Hochschule: Filmakademie Wien