2009druckenfilmemacherin: anja salomonowitz


Mit hoher formaler Konzentration nähern sich die an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation angesiedelten Filme von Anja Salomonowitz brisanten Themen und machen dabei die Brisanz ihrer Stoffe als persönliche Erzählungen begreifbar, ohne je die damit verbundenen politischen Fragestellungen aus den Augen zu verlieren. Anja Salomonowitz’ Arbeiten erhalten international Anerkennung, so wurde das Langfilmdebüt der Filmemacherin „Kurz davor ist es passiert“ unter anderem auf der Viennale 2006 mit dem Wiener Filmpreis und auf der Berlinale 2007 mit dem Caligari Preis ausgezeichnet. Aber auch die Liebe zum Kino ist in den Filmen der 1976 geborenen Wienerin stets spürbar, die sich ihr Handwerk an der Filmakademie Wien und der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ angeeignet hat. In „Carmen“ und „Projektionen eines Filmvorführers in einem Pornokino“ lässt Anja Salomonowitz das Publikum deshalb einmal den Protagonist/innen hinter der Leinwand nachspüren. | Programmdauer: 89 min

     
  projektionen eines filmvorführers in einem pornokino
Anja Salomonowitz, A 2002, 14 min, OF

Anders als der Titel vermuten lässt, ist dieser Kurzspielfilm eine Reflexion über Kino, Projektion und Rückprojektion und zeigt aus weiblicher Perspektive eine mögliche Variante männlicher Phantasievorstellungen.

„Alltag im Projektionsraum eines Pornokinos. Der Film wird eingespannt und abgespult. Das Projektorgeräusch vermischt sich mit dem Stöhnen auf der Leinwand, der Masturbation im Publikum. Anja Salomonowitz inszeniert die Geschichten, die sich ein Filmvorführer ausdenkt, der in der Enge seines Projektionsraums die Hauptdarstellerin des Pornofilms zur romantischen Heldin seiner Fantasien macht.“ (Nora Sternfeld)

Schauspiel: Markus Hering, Nina Gabriel, Valerie Strassberg, Gabriela Schmoll, Andreas Hauer | Drehbuch: Marie Kreutzer, Anja Salomonowitz | Kamera: Gerald Kerkletz | Schnitt: Alarich Lenz | Ton: Kassian Troyer | Musik: Sami Zeciri | Produktion: Michael Huber | Hochschule: Filmakademie Wien

     
  carmen
Anja Salomonowitz, A 2000, 23 min, OF

„Irgendwie habe ich den Eindruck, das Kino versteht mich“, sagt Carmen Dido Martinek, über ihre wundersame Leidenschaft, die Kinosäle zu ihren Liebhabern zu machen, Anja Salomonowitz diesen stillen, zwischentonreichen Dokumentarfilm gedreht hat.

„Carmen, Mädchen für alles im Wiener Schikaneder-Kino, reinigt, beruhigt, bespielt ihren liebsten Ort. Sie streichelt die Sessel und sie schläft sogar nach langen Nächten an der Bar am liebsten gleich dort, im Kino. (...) Das Kino sieht Carmen als einen erotischen, aber gefährdeten Ort: Bei ihrem letzten Kino hat sie mitansehen müssen, wie es sich in einen Supermarkt verwandelt hat.“ (Stefan Grissemann, Die Presse)

Mitwirkende: Carmen Dido Martinek | Drehbuch: Anja Salomonowitz | Kamera: Hannes Anderwald | Schnitt: Gregor Wille, Anja Salomonowitz | Musik: Sami Zeciri, Helmut Kahlert | Produktion: Anja Salomonowitz | Hochschule: Filmakademie Wien, HFF „Konrad Wolf“ 

     
  das wirst du nie verstehen
Anja Salomonowitz, A 2003, 52 min, OmeU

Anja Salomonowitz porträtiert in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm drei Frauen, die dem, was in der Geschichtswissenschaft als Täter- und Opfergeneration des Holocaust bezeichnet wird, angehören. Mit ihren unterschiedlichen Lebensgeschichten, unterschiedlichen Erzählungen und Erinnerungen leben sie alle in einer Familie – in der Familie von Anja Salomonowitz.

„Im Zusammenschnitt und in der Off-Stimme reflektiert die Filmemacherin die widersprüchliche Aufgabe, gleichermaßen in der Genealogie des Opfer- wie des Täterkollektivs zu stehen. Sie legt dabei ihre familiäre Verbundenheit ebenso offen, wie sie die Mechanismen der Abwehr, der Verleugnung, des Erzählens und Verschweigens sichtbar werden lässt.“ (Nora Sternfeld)

Drehbuch: Anja Salomonowitz | Kamera: Leena Koppe | Schnitt: Anja Salomonowitz | Ton: Markus Moll | Musik: Sami Zeciri | Produktion: Elke Kratzer | Hochschule: Filmakademie Wien